Zum Inhalt springen

Beitragsreihe „Träume in der Elternzeit – von Selbstständigkeit, Weltreisen und mehr“

Liebe werdende Mama, kreative Zeitgestalterin und Träumerin,

die Elternzeit kann das bisherige Leben ganz schön umkrempeln!

Allem voran tritt da ein neuer, vielleicht der erste eigene, Erdenbürger in unser Leben. Das alleine ist genug Schreibstoff für mehrere Bücher. Aber in dieser Beitragsreihe geht es hauptsächlich um die Zeit abseits von Schmusen, Kuscheln und Windelnwechseln. Es geht darum, wie diese besondere Zeit von uns Frauen genutzt wird, um zum Beispiel lang ersehnte Träume anzupacken, eine Weltreise zu machen, neue Hobbys zu erlernen oder sich beruflich zu verändern. Bei einigen geht es von der Selbstständigkeit in das Angestelltenverhältnis, bei anderen anders herum und dazwischen gibt es noch weitere zahlreiche Konstellationen. Wie die Powerfrauen aus unserer Region ihr Schicksal schmieden ist so individuell wie sie selbst. Und davon möchten wir berichten!

Du möchtest deine Geschichte auch mit uns teilen oder kennst eine andere Power StuggiMom? Dann schreib uns einfach an info@stuggimom.de, damit wir sie auch porträtieren können.

Und nun zu unserem ersten Glanzstück, Galina Engels, Schmuckdesignerin aus Ostfildern.

In ihrem Shop bei Dawanda bietet sie wunderschöne Schmuck-Einzelstücke an.

Galina Engels- Schmuckdesignerin und Mama von 3 Kindern

Galina ist 37 Jahre jung, verheiratet und stolze Mama von 3 Kids, 2 Töchtern im Alter von 10 und 9 und einem Sohnemann, 5 Jahre. Sie kam mit 25 Jahren und einem Diplom in Marketing aus Weißrussland zum weiterführenden Studium an die Universität in Stuttgart. Über den gemeinsamen Kommilitonen-Freundeskreis lernte sie ihren zukünftigen Ehemann Stefan kennen, mit dem sie im Alter von 27 Jahren ihr erstes Kind bekam. Stefan war früher fertig mit seinem Studium und da Galina zu der Zeit schon in anderen Umständen war, entschloss sich die wachsende Familie, nach NRW zu ziehen, wo Stefan ein Job angeboten wurde. In der neuen Heimat angekommen, wurde sie mit 28 Jahren wieder schwanger. Nach 4 Jahren kamen sie zurück nach Stuttgart und als ihre beiden Töchter in das Kindergarten-Alter kamen, fing auch Galina an, sich nach einem neuen Job umzusehen. Als sie gerade damit begann Bewerbungen zu schreiben, wurde sie unerwartet mit dem dritten Kind schwanger. Eigentlich wollte sie immer in einem „normalen“ Büro als Angestellte ihr Marketing-Wissen ausüben, aber dann kam alles ganz anders…

Wie lang war deine Elternzeit?

„Geplant war es, ein Jahr zu Hause zu bleiben und sich dann nach einem Job umzuschauen. Aber da mein Mann dagegen war, die Mädchen in den ersten Jahren in eine öffentliche Einrichtung zu geben, blieb ich weiterhin zu Hause und widmete mich komplett der Erziehung.“ Da sie bis dato immer Studentin gewesen war, hatte Galina keine große finanzielle Unterstützung von einem vorherigen Arbeitgeber, nur das Elterngeld im ersten Jahr und dann noch das Kindergeld. Nach dem zweiten Baby und auch schon in der Zeit davor, war es daher stets ihr Anspruch, mehr als „nur“ Mama zu sein und auch materiell etwas zur Familienkasse beizutragen.

Wie kamst du darauf, dich selbstständig zu machen?

„Irgendwann ist man es leid, nicht zu sehen, was man den ganzen Tag als Mama geleistet hat. Egal wieviel man putzt, kocht oder aufräumt, am Ende des Tages liegen doch wieder irgendwo Teller, Krümel oder etwas anderes herum und der nächste Tag ist wieder genau so. Es war so, als würde ich im Kreis laufen, wobei ich dafür weder Geld bekommen, noch ein greifbares Ergebnis davon hatte. Da habe ich angefangen das zu machen, was mir schon als Kind Spaß gemacht hat. Ich habe mit glitzernden Steinchen und schönen Dingen experimentiert und angefangen eigenen Schmuck herzustellen. Mal ein paar kleine Ohrringe, mal eine Kette, Hauptsache ich hatte etwas Fertiges und Abgeschlossenes, das ich am Tagesende in den Händen halten konnte um zu sehen, was ich geschaffen habe. Später wollten die Materialkosten für dieses Hobby gedeckt werden, da fing ich an meine Kreationen zu verkaufen. Als ich 33 war, habe ich mich dann zum ersten Mal bei Dawanda angemeldet – damals waren es noch 5% Provision auf der Plattform pro Verkauf. Seit etwa einem halben Jahr nehmen die aber 9,5%, daher versuche ich gerade von der Plattform wegzukommen und einen eigenen Online-Shop aufzubauen.“

Wie integrierst du deine Selbstständigkeit in den Familienalltag?

„Die Selbstständigkeit konnte man als solche tatsächlich erst dann so bezeichnen, als auch mein jüngster Sohn in den Kindergarten kam. Das war nun vor 2 Jahren, also Ende 2015. Bis dahin hatte ich keinen richtigen Zeitplan. Mittlerweile habe ich aber so viele Anfragen, dass ich den Tag genau strukturieren muss. Sobald alle aus dem Haus sind, frühstücke ich erstmal selbst in Ruhe, dann habe ich 2,5-3 Stunden um zu arbeiten. Zum Mittag ist die Familie dann immer zusammen und ich koche etwas. Nachdem ich mit den Großen Hausaufgaben, Russisch- oder Englischunterricht erledigt und sie zu ihren Trainings gebracht habe, habe ich meistens noch 1-2 Stunden, in denen ich die fertigen Pakete zur Post bringe und die Website nach neuen Bestelleingängen checke. Schließlich ist dann noch der dritte Tagesabschnitt zum Arbeiten möglich, dass ist nämlich nach 20:00 Uhr, wenn die Kinder im Bett liegen.“

Wie war das mit dem Erfolg – kam er von alleine oder ließ er auf sich warten? Und was hast du unter Erfolg verstanden?

„Es war nicht so schnell und zu Beginn auch ganz schön deprimierend. Man sieht, dass andere Online-Shops laufen und obwohl man selbst gute Preise hat, wird einem nichts abgenommen. Ich komme aber aus dem Marketing, daher schaue ich mir permanent verschiedene Stellschrauben meines Zielmarktes an und versuche mich an den Kunden und dem Wettbewerb auszurichten. Dabei stellte ich unter anderem fest, dass der Schmuck, den ich nach meinem eigenen, russischen Geschmack fertigte, nicht den Wünschen meiner Kunden entsprach. Die Klunker, die mir persönlich gefielen, waren nicht das, was meine deutschen Zielkunden mochten. Da kamen eher filigrane und schlichte Sachen besser an. Ein weitere Schwachpunkt waren meine Produktbilder. Ich hatte aber kein Geld für einen professionellen Fotografen und auch nicht so viel Zeit und Lust mir das Wissen anzueignen. Ich weiß aber sehr wohl, wo meine Schwachstellen liegen und habe im Laufe der Zeit mir dann doch irgendwann selbst beigebracht, wie man bessere Bilder machen kann. Ein weiterer Punkt war der Preis. Bietet man zu billig an, denken die Leute man verkauft Ramsch, zu teuer ist aber auch schlecht. Nach den ersten Verkäufen habe ich analysiert, was genau gekauft wurde und habe mehr von dieser Kategorie angeboten. Das lief super und war dabei so spannend zu erleben. Dass ich tatsächlich nennenswerten Erfolg hatte, merkte ich erst vor einigen Jahren, so um 2016, denn der Umsatz fing an zu wachsen und man konnte einen echten Verdienst beobachten. Mittlerweile verdreifacht sich der Umsatz  sogar jährlich. Obwohl meine Kinder immer an erster Stelle stehen und ich dieses Geschäft nur in Teilzeit mache, kann man es nicht mehr als Hobby bezeichnen. Ich habe seit 2014 offiziell ein Gewerbe angemeldet, bin aber erst 2016 über den Freibetrag von 17.500€ gekommen und stelle seit 2017 Rechnungen mit Umsatzsteuer aus. Im Dezember 2016 habe ich meinen 1000. Verkauf erzielt, das waren auch die schwierigsten 1000. Ab dann lief es flüssiger.“

Welche Erfolgstipps kannst du an andere Mütter weitergeben?

„Schreibt euch selbst Motivationszettel wie „Nicht aufhören!“ oder „Weitermachen“, das hat mich jedes Mal aufgefangen, wenn ich sie auf dem Schreibtisch sah. Erstellt euch auch detaillierte und machbare Aufgabenlisten zum Abarbeiten. In meinem Fall mit den Bildern schrieb ich mir zum Beispiel auf  „Arbeite dich in die Bereiche Fotografie ein“, „Beließ dich über Produktbilder“ etc. Vor allem finde ich es wichtig, die Dinge händisch aufzuschreiben, statt digital in irgendeiner App speichern. Visuelle Motivation finde ich persönlich besser, da ich glaube, dass das Gehirn die Botschaft dann besser aufnimmt, die man an sich selbst senden will.

Zu guter Letzt empfehle ich: feilt ständig an euch selbst und lasst euch nicht demotivieren. In Deutschland gibt es zwar schon von allem etwas und auch als ich angefangen habe, habe ich von vielen gehört, dass es schon zu viel Schmuckanbieter gibt. Aber man muss einfach schauen, wo der Bedarf tatsächlich ist und was man selbst ändern kann, das einen von der Masse abhebt. Es kann zum Beispiel die Verpackung sein, oder ein Spruch, den man beilegt oder etwas anderes Kreatives was ein Produkt oder eine Dienstleistung anders und persönlich werden lässt.“

Was fiel dir besonders schwer? Was waren die größten Hürden, die du überwinden musstest?

„Ich bin eine Perfektionistin und habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Ich hatte nach dem ersten Kind einfach keine Power, um 20 oder 21 Uhr war ich fertig und brauchte einfach nur Schlaf. Das Baby war leider auch nicht immer ruhig und ich konnte meinen Traum nicht so schnell voranbringen, wie es mir lieb gewesen wäre. Ideen generieren und etwas als Hobby anzufangen ist toll, aber ich wollte immer mehr, mehr und mehr. Daher war und ist das Schwierigste für mich, ruhig zu bleiben und Harmonie im Alltag zu finden. Was ich mir als Motivationsspruch für dieses Jahr aufgeschrieben habe ist „Genieß den Moment und lebe ihn!“. Das kann man in allen Bereichen anwenden. Wenn man mit Kindern spielt, dann sollte man genau dieses Spiel genießen. Wenn man mit dem Partner ist, dann in den Gesprächen oder der gemeinsamen Zeit voll aufgehen, statt an die Tagesorganisation von morgen zu denken. Mein persönliches Problem war es auch, mich selbst zufrieden zu stellen, da ich permanent über Optimierungspotenziale nachgedacht habe, womit ich mich selbst unter Druck gesetzt habe. Die Selbstständigkeit und der Erfolg des Ladens machen süchtig. Obwohl mein Mann mir oft geraten hat, mich mehr zu entspannen und die Momente zu genießen, kam sein Rat lange nicht an. Momente bewusst erleben und durchleben ist für 2018 mein Ziel. Denn kein Geld der Welt kann das Glück eines bestimmten Momentes ersetzen.“

Hast du dir von jemandem helfen lassen?

„Nein. Ich bin eine Self-Made Woman. Mein Mann stand immer hinter der Idee mit dem Schmuck und hat keinen Druck ausgeübt, dass ich etwas in einer bestimmten Zeit erreichen soll. Er hat nur gewollt, dass ich glücklich bin. Alles was das Geschäft betrifft, bringe ich mir selbst bei, schließlich gibt es eine Flut an Informationen zu jedem beliebigen Thema, man muss nur wollen.“

Würdest du jetzt etwas anders machen, wenn du die Zeit zurückdrehen könntest?

„Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte bis vor der ersten Schwangerschaft, dann würde ich zu Ende studieren. Wenn ich sie bis dahin zurückdrehen könnte als ich schon schwanger war, dann würde ich als einziges stärker darauf achten, die Momente mehr zu genießen und mir selbst weniger Druck zu machen. Ich würde mich mehr entspannen und vor allem das Muttersein mehr genießen.“

Was hast du gelernt? Was hat dich stärker gemacht?

„An mich selbst zu glauben und nie aufzugeben. Genaue Ziele zu definieren ist dabei aber besonders wichtig. Man muss ganz genau wissen, was man will um dahin zu kommen.“

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

„Ein Familienunternehmen führend mit einem Werk in Weißrussland, einem Management Team und Gestaltungsmöglichkeiten in Deutschland. Bestimmt werden meine Kinder mit einspringen. Sie können es ja jetzt schon kaum erwarten, bis sie mitmischen dürfen.“

Was würdest du anderen Müttern für die Elternzeit raten?

„Entspannt euch und versucht eure eigenen Ideen umzusetzen. Wenn jemand nicht weiß, womit er genau anfangen soll, kann man zurück an seine Kindheit denken und sich daran erinnern, was einem schon immer Spaß gemacht hat. Oder überlegt euch, was ihr von morgens bis abends machen könntet, ohne dafür Geld zu bekommen. Träumt nicht nur, sondern setzt eure Ideen tatsächlich um – einfach anfangen! Und sendet euch dabei stets positive Gedanken und Motivationsbriefe!“

Einige Einblicke in Galina`s Kunstwerke:

 

photo credit: Florian Hien Bubbleu via photopin (license)

© StuggiMom-Bloggerin Anastasia

2 Kommentare

  1. Yulia Yulia

    Weiter so @engalinia und ganz toller Beitrag @stuggimom ♥️
    Viel Erfol und Erfüllung all Eurer Ziele 😘

  2. Мила Мила

    Я прочитала твоё интервью и почти прослезилась Молодец девочка Главное в себя верить и иметь цель перед глазами и к ней уверенно идти Я Конечно тебе в мамы по возрасту гожусь но когда то и я была молодой и так же брала свою судьбу в свои руки и конечно же большим другом и опорой был мой муж
    Желаю вашей семье здоровья успехов и долгой счастливой жизни

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.